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Indikationsimpfungen - Impfempfehlungen

Impfempfehlungen für Patienten mit chronischen Erkrankungen und geschwächtem Immunsystem

Langandauernde Krankheiten, die nicht vollständig geheilt werden können, bezeichnet man als chronische Erkrankungen. Sie stellen per se eine ständige oder wiederkehrende Belastung für die Gesundheit dar. Viele chronische Erkrankungen sind chronisch-entzündlich und/oder eine Autoimmunerkrankung (s. Kasten). Die Erkrankung selbst oder auch die Medikamente, die zur Unterdrückung der Krankheitsfolgen eingenommen werden müssen, können das Immunsystem des Patienten so sehr schwächen, dass die Anfälligkeit für Infektionen erheblich steigt.

Autoimmunerkrankungen

Einige chronische Erkrankungen entwickeln sich durch eine Störung im Immunsystem. Ein intaktes Immunsystem ist in der Lage, körpereigene Strukturen und nützliche Mikroorganismen (z. B. im Darm und auf den Schleimhäuten) von körperfremden Stoffen und Krankheitserregern zu unterscheiden. Bei einer Autoimmunerkrankung sind Immunzellen fehlgeleitet, so dass sie fälschlicherweise körpereigene Zellen und Gewebestrukturen angreifen. Dadurch wird das betroffene Gewebe massiv geschädigt oder sogar zerstört. Die Autoimmunreaktion kann sich gegen Zellen eines bestimmten Organs oder Gewebes richten oder aber auch gegen Zellen im gesamten System. Organspezifische Autoimmunerkrankungen sind z. B. Diabetes mellitus Typ 1, Colitis ulcerosa und multiple Sklerose. Die rheumatoide Arthritis ist eine systemische Autoimmunerkrankung.

Man kennt heute um die 100 verschiedene Autoimmunerkrankungen. Weltweit leiden etwa 5 Prozent der Bevölkerung an einer dieser Erkrankungen.

Nachfolgend sind einige Patientengruppen aufgelistet, für die neben den Standardimpfungen zusätzliche Impfungen empfohlen werden.

  • Patienten, die Immunsuppressiva einnehmen

    Manche Patienten nehmen vorübergehend oder auch dauerhaft Medikamente ein, die bestimmte Aktivitäten des Immunsystems unterdrücken. Diese Medikamente werden allgemein als Immunsuppressiva bezeichnet. Sie dienen dazu, Entzündungsreaktionen zu stoppen, Autoimmunreaktionen abzumildern oder nach einer Organtransplantation eine Abstoßungsreaktion zu verhindern. Welche Immunsuppressiva zum Einsatz kommen, hängt vom Krankheitsbild ab. Man versucht, möglichst zielgenau in die Immunreaktion einzugreifen. Dennoch lässt sich bislang nicht vermeiden, dass die Medikamente die Abwehrfähigkeit des Immunsystems insgesamt schwächen. Damit gehören Patienten, die Immunsuppressiva einnehmen müssen, zu einer Risikogruppe, für die ein erweiterter Impfschutz empfohlen wird.

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    Einige Anwendungsgebiete für eine Immunsuppression

    • Rheumatoide Arthritis
    • Colitis ulcerosa
    • Morbus Crohn
    • Multiple Sklerose
    • Schwere Formen der Schuppenflechte
    • Nach Transplantationen

    Immunsuppression und Immunsuppressiva

    Wenn die Immunreaktion unerwünscht heftig ausfällt oder wie im Falle von Autoimmunerkrankungen dem Körper schadet, kann die Immunsuppression, d. h. die Unterdrückung des Immunsystems, Teil der Therapie sein. Die Medikamente, die hierfür zum Einsatz kommen, bezeichnet man als Immunsuppressiva. Dazu gehören verschiedene Arzneistoffgruppen, die an ganz unterschiedlichen Stellen in die Immunreaktion eingreifen. Das sind z. B. Glukokortikoide, die eine leicht immunsuppressive und vor allem entzündungshemmende Wirkung haben, Zytostatika, die Zellwachstum bzw. Zellteilung hemmen, Calcineurinhemmer, die die Aktivität bestimmter Immunzellen hemmen, und die Gruppe der Biologika, die sich gegen bestimmte Entzündungsbotenstoffe richten und so die Aktivierung von Immunzellen blockieren.

    Zu beachten ist, dass Patienten, die Immunsuppressiva einnehmen, keine Impfungen mit Lebendimpfstoffen erhalten dürfen (s. Seite 8). Das Risiko, dass durch die Impfung die Krankheit zum Ausbruch kommt und schwere Komplikationen auftreten, ist zu hoch. Eine Ausnahme sollte nur im begründeten Einzelfall und nach individueller Risiko-Nutzen-Abschätzung gemacht werden. Impfungen mit Totimpfstoffen sind hingegen unter Immunsuppression möglich. Immungeschwächte Patienten haben hierbei kein erhöhtes Risiko von Nebenwirkungen. Es kann jedoch sein, dass das Immunsystem nicht so stark auf den Impfstoff reagiert und folglich der Impfschutz entsprechend schlechter ausfällt. Um einen optimalen Impferfolg zu erzielen, sollten die Impfungen daher möglichst 2, besser 4 Wochen vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie abgeschlossen sein. Während einer immunsuppressiven Therapie sollte nur dann geimpft werden, wenn die Erkrankung stabil und die Therapie, sofern planbar, so wenig immunsuppressiv wie möglich ist.

    Impfempfehlungen und -hinweise für Patienten, die Immunsuppressiva einnehmen müssen:

    • Standardimpfungen: gemäß den allgemeinen Impfempfehlungen der STIKO; keine Impfungen mit Lebendimpfstoffen
    • Indikationsimpfungen: Die Personengruppe, die eine immunsuppressive Therapie erhält, ist so uneinheitlich, dass keine für alle geltenden Empfehlungen für bestimmte Indikationsimpfungen ausgesprochen werden können. Vielmehr richten sich die Empfehlungen nach dem zugrunde liegenden Krankheitsbild. Indikationsimpfungen werden u. a. empfohlen gegen:
      • Grippe (Influenza); jährliche Impfung im Herbst gegen das saisonale Grippevirus
      • Pneumokokkenkrankheiten; empfohlen wird eine sogenannte sequenzielle Impfung, d. h., die Personen erhalten 2 verschiedene Impfstofftypen in Folge (zunächst PCV13, dann nach 6 bis 12 Monaten PPSV23); eine Wiederholungsimpfung (mit PPSV23) folgt dann im Mindestabstand von 6 Jahren
      • Meningokokkeninfektionen
      • Herpes zoster bei Patienten ab 50 Jahren (Totimpfstoff)
    • Impfzeitpunkt: möglichst 2 bis 4 Wochen vor Beginn einer geplanten Immunsuppression; Patienten mit Organtransplantation möglichst erst 6 Monate nach der Transplantation
  • Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen

    In Deutschland leiden etwa 2 Prozent der erwachsenen Bevölkerung und 20 000 Kinder an einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Zur Gruppe dieser Erkrankungen gehören mehr als 100 verschiedene Krankheitsbilder, die alle durch eine Autoimmunreaktion ausgelöst sind (s. Seite 13). Dabei greift das Immunsystem bevorzugt Gelenke, Sehnen, aber auch Haut und andere Körpergewebe an, was vor allem zu Entzündungen am Stütz- und Bewegungsapparat führt. Zu den häufigsten Krankheitsformen im Erwachsenenalter gehören entzündliche Gelenkerkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Psoriasisarthritis, die zusammen mit Schuppenflechte auftritt. Seltener sind entzündliche Erkrankungen von Bindegewebe oder Blutgefäßen (Kollagenosen und Vaskulitiden) wie z. B. der systemische Lupus erythematodes (SLE). Bei Kindern ist die juvenile idiopathische Arthritis die häufigste chronisch-rheumatische Gelenkentzündung.
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    Rheumatoide Arthritis

    Die häufigste und bekannteste Erkrankung aus der Gruppe entzündlich- rheumatischer Erkrankungen ist die rheumatoide Arthritis, eine chronische Entzündung der Gelenke. Typische Krankheitszeichen sind schmerzende und geschwollene Gelenke, die sich mit Fortschreiten der Erkrankung verformen und versteifen können.

    Patienten mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung haben ein hohes Risiko von Infektionen und schwerwiegenden Krankheitsverläufen. Dies betrifft besonders bakterielle Infektionen der Atemwege, z. B. die durch Pneumokokken ausgelöste Lungenentzündung. Hinzu kommt, dass Patienten üblicherweise mit Immunsuppressiva behandelt werden, um die Immunreaktion, die für die Entzündungen und Gewebezerstörungen verantwortlich ist, zu dämpfen. Dadurch steigt die Infektanfälligkeit zusätzlich. Impfungen gelten für diese Patienten daher als wichtige Vorsorgemaßnahme.

    Impfempfehlungen und -hinweise für Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen

    • Standardimpfungen: gemäß den allgemeinen Impfempfehlungen der STIKO; keine Impfungen mit Lebendimpfstoffen
    • Indikationsimpfungen:
      • Grippe (Influenza) für Patienten unter bzw. bei geplanter immunsuppressiver Therapie; jährliche Impfung im Herbst gegen das saisonale Grippevirus
      • Pneumokokkenkrankheiten für Patienten unter bzw. bei geplanter immunsuppressiver Therapie; empfohlen wird die sequenzielle Impfung, d. h., die Personen erhalten 2 verschiedene Impfstofftypen in Folge (zunächst PCV13, dann nach 6 bis 12 Monaten PPSV23); eine Wiederholungsimpfung (mit PPSV23) folgt dann im Mindestabstand von 6 Jahren
      • Meningokokkeninfektionen für Patienten unter bzw. bei geplanter immunsuppressiver Therapie
      • Herpes zoster bei Patienten ab 50 Jahren (Totimpfstoff)
    • Impfzeitpunkt: am besten zu einem Zeitpunkt mit niedriger Krankheitsaktivität, wenn möglich, außerhalb der Immunsuppression
  • Patienten mit chronisch-entzündlichen Atemwegserkrankungen

    Eine chronische Atemwegserkrankung wie z. B. Asthma bronchiale, chronische Bronchitis oder die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung, kurz: COPD, führt dazu, dass die Atemwege dauerhaft gereizt sind und eine hohe Entzündungsbereitschaft haben. Krankheitserreger, die die Atemwege befallen, das sind an erster Stelle Grippeviren sowie Pneumokokken, können demzufolge leicht die Entzündung anfachen und heftige Krankheitsschübe mit schweren Anfällen von Kurzatmigkeit, Husten und Atemnot auslösen. Zudem kann jede weitere Atemwegsinfektion die Funktionsfähigkeit der bereits vorgeschädigten Lunge und der Bronchien weiter beeinträchtigen.
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    Schutz vor Grippe und Pneumokokken

    Bei Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma können zusätzliche Reizungen und Infekte der Atemwege heftige Krankheitsschübe auslösen.

    Impfempfehlungen und -hinweise für Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Atemwegserkrankung

    • Standardimpfungen: gemäß den allgemeinen Impfempfehlungen der STIKO
    • Indikationsimpfungen:
      • Grippe (Influenza); jährliche Impfung im Herbst gegen das saisonale Grippevirus
      • Pneumokokkenkrankheiten; für Kinder zwischen 2 und 15 Jahren wird die sequenzielle Impfung mit 2 verschiedenen Impfstofftypen in Folge (zunächst PCV13, dann nach 6 bis 12 Monaten PPSV23) empfohlen, für Personen ab dem 16. Lebensjahr eine einzelne Impfung (PPSV23); Wiederholungsimpfung (mit PPSV23) folgt dann für alle im Mindestabstand von 6 Jahren
      • Herpes zoster bei Patienten ab 50 Jahren (Totimpfstoff)
    • Impfzeitpunkt: außerhalb eines akuten Krankheitsschubes
  • Patienten mit Diabetes mellitus und anderen Stoffwechselkrankheiten

    Diabetes mellitus und viele andere Stoffwechselstörungen gehen häufig mit Begleit- und Folgeerkrankungen einher, die zum Teil schwerwiegend sein können und u. U. Gefäße und Organe massiv schädigen. Entsprechend stark ist die allgemeine Gesundheit der Patienten angegriffen und das Immunsystem geschwächt. Die Infektanfälligkeit steigt, Infekte verlaufen bei den betroffenen Patienten oftmals schwerer und führen zu einer weiteren Verschlechterung der Grunderkrankung sowie des gesamten Gesundheitszustands. Bei Diabetes beeinträchtigen die erhöhten Blutzuckerwerte langfristig direkt die Funktionen des Immunsystems. Patienten mit Diabetes haben nicht nur ein hohes Risiko von Infektionen mit schweren Krankheitsverläufen, sondern ein Infekt bringt möglicherweise die Blutzuckereinstellung durcheinander. Auch das kann schwerwiegende Komplikationen verursachen.
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    Kontrolle des Blutzuckers

    Hohe Blutzuckerwerte beeinträchtigen die Abwehrkräfte. Diabetiker sollen regelmäßig den Blutzucker messen und darauf achten, dass sie gut eingestellt sind.

    Impfempfehlungen und -hinweise für Patienten mit Diabetes mellitus und anderen Stoffwechselstörungen

    • Standardimpfungen: gemäß den allgemeinen Impfempfehlungen der STIKO
    • Indikationsimpfungen:
      • Grippe (Influenza); jährliche Impfung im Herbst gegen das saisonale Grippevirus
      • Pneumokokkenkrankheiten; für Kinder zwischen 2 und 15 Jahren wird die sequenzielle Impfung mit 2 verschiedenen Impfstofftypen in Folge (zunächst PCV13, dann nach 6 bis 12 Monaten PPSV23) empfohlen, für Personen ab dem 16. Lebensjahr eine einzelne Impfung (PPSV23); Wiederholungsimpfung (mit PPSV23) folgt dann für alle im Mindestabstand von 6 Jahren
      • Herpes zoster bei Patienten ab 50 Jahren (Totimpfstoff)
  • Patienten mit chronischen Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen

    Eine langanhaltende oder bleibende Erkrankung der lebenswichtigen Organe ist nicht nur eine permanente Belastung für das betroffene Organ, sondern für den gesamten Organismus. Dies spiegelt sich u. a. in einer erhöhten Infektanfälligkeit, schwereren Krankheitsverläufen mit längeren Regenerationszeiten sowie möglichen Folgeerkrankungen wider. Bei Patienten mit einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) kann eine Infektion bedrohlich werden, z. B. wenn sich infolge einer Grippe eine Herzmuskelentzündung ausbildet. Ebenfalls kritisch ist eine Lungenentzündung, die durch Grippeviren oder Pneumokokken ausgelöst werden kann. Für Menschen mit einer vorgeschädigten Leber kann eine Infektion mit Hepatitisviren, die zur Schädigung und Zerstörung der Leberzellen führen, schwere Folgen haben. Patienten mit einer chronischen Nierenschädigung (Niereninsuffizienz), insbesondere Dialysepatienten, haben eine hohe Infektanfälligkeit, u. a. gegenüber Pneumokokken und Hepatitis-B-Viren.
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    Hepatitis A

    In vielen südlichen Ländern ist Hepatitis A verbreitet. Die Virusinfektion wird über Schmierinfektion und verseuchte Nahrungsmittel übertragen und greift die Leber an. Patienten mit chronischen Lebererkrankungen, sollten sich durch eine Impfung schützen.

    Impfempfehlungen und -hinweise für Patienten mit chronischen Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen

    • Standardimpfungen: gemäß den allgemeinen Impfempfehlungen der STIKO
    • Indikationsimpfungen:
      • Grippe (Influenza); jährliche Impfung im Herbst gegen das saisonale Grippevirus
      • Pneumokokkenkrankheiten; für Patienten mit chronischen Herzerkrankungen wird für Kinder zwischen 2 und 15 Jahren die sequenzielle Impfung mit 2 verschiedenen Impfstofftypen in Folge (zunächst PCV13, dann nach 6 bis 12 Monaten PPSV23) empfohlen, für Personen ab dem 16. Lebensjahr eine einzelne Impfung (PPSV23); für Patienten mit Immundefizienz bei chronischem Nierenversagen, nephrotischem Syndrom oder chronischer Leberinsuffizienz wird altersunabhängig die sequenzielle Impfung empfohlen (zunächst PCV13, nach 6 bis 12 Monaten PPSV23, wobei PPSV23 erst ab dem Alter von 2 Jahren gegeben werden soll); eine Wiederholungsimpfung (mit PPSV23) folgt dann für alle im Mindestabstand von 6 Jahren
      • Herpes zoster bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz ab 50 Jahren (Totimpfstoff)
      • Hepatitis A bei Patienten mit chronischer Lebererkrankung
  • Patienten mit chronischen Darmentzündungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)

    Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die häufigsten chronischen Entzündungen des Verdauungstraktes. Sie können alle Schichten der Darmschleimhaut und alle Abschnitte des Verdauungstraktes betreffen (Morbus Crohn) oder auf die Darmschleimhaut des Dickdarms begrenzt sein (Colitis ulcerosa). Nicht nur die Entzündung selbst schwächt den Organismus, sondern u. U. auch ein Nährstoffmangel, der oft als Folge chronischer Darmerkrankungen auftritt. Denn zum einen können einige Nährstoffe von den entzündeten Darmabschnitten nicht mehr richtig aufgenommen werden, zum anderen gehen sie durch häufig auftretende Durchfälle verloren. Wodurch die Entzündungen ausgelöst werden, weiß man bislang nicht ganz genau. Eine Ursache könnte ein gestörtes Immunsystem mit einer Autoimmunreaktion (s. Kasten) sein. Daher werden zur Behandlung Immunsuppressiva eingesetzt, die das Immunsystem hemmen. Auch das erhöht die Infektanfälligkeit und das Risiko für schwere Krankheitsverläufe.
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    Symptome chronischer Darmentzündungen

    Kolikartige Schmerzen, Krämpfe im Bauch, häufige Durchfälle und Gewichtsverlust sind typische Krankheitszeichen chronischer Darmentzündungen.

    Impfempfehlungen und -hinweise für Patienten mit chronischen Darmentzündungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)

    • Standardimpfungen: gemäß den allgemeinen Impfempfehlungen der STIKO; unter Immunsuppression keine Impfung mit Lebendimpfstoffen
    • Indikationsimpfungen:
      • Grippe (Influenza) für Patienten unter immunsuppressiver Therapie; jährliche Impfung im Herbst gegen das saisonale Grippevirus
      • Pneumokokkenkrankheiten für Patienten unter bzw. bei geplanter immunsuppressiver Therapie; empfohlen wird die sequenzielle Impfung, d. h., die Personen erhalten 2 verschiedene Impfstofftypen in Folge (zunächst PCV13, dann nach 6 bis 12 Monaten PPSV23); eine Wiederholungsimpfung (mit PPSV23) folgt dann im Mindestabstand von 6 Jahren
      • Herpes zoster bei Patienten ab 50 Jahren (Totimpfstoff)
      • Hepatitis A bei Patienten mit chronischer Lebererkrankung
    • Impfzeitpunkt: Impfungen mit Totimpfstoff, wenn möglich, außerhalb der Immunsuppression
  • Patienten mit chronischen Nervenerkrankungen (MS, Epilepsie, Zerebralparese)

    Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, ausgelöst durch eine Autoimmunreaktion, die sich gegen Nervenzellen und -fasern richtet. Epilepsie fasst eine Gruppe von Funktionsstörungen des Gehirns zusammen, die zu übermäßiger Aktivität bestimmter Nervenzellen und dadurch zu krampfartigen Anfällen führen. Die Zerebralparese beruht auf einer Schädigung des Gehirns während seiner Entwicklungsphase in der frühen Kindheit.

    Die Krankheitsbilder und -verläufe chronischer Nervenerkrankungen sind ganz verschieden, gemeinsam ist ihnen, dass sie durch eine virale Infektion angefacht werden können. Insbesondere Virusinfektionen, die mit Fieber verbunden sind, können bei Patienten mit MS, Epilepsie oder Zerebralparese schwere Krankheitsschübe bzw. Krampfanfälle auslösen oder auch zu einer dauerhaften Verschlechterung der Erkrankung führen.

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    Krankheitsschübe

    Alles, was das Immunsystem zusätzlich aktiviert, kann einen akuten Krankheitsschub auslösen. Dazu gehören z. B. seelische und körperliche Belastungen, Verletzungen und Infektionen, besonders wenn diese mit Fieber einhergehen.

    Früher wurde häufig davon abgeraten, diese Patientengruppe zu impfen, da man Impfreaktionen wie Fieber gefürchtet hat. Heute schätzt man dieses Risiko als eher gering ein und rät im Allgemeinen zu Impfungen. Der Impfarzt wird auf jeden Fall unter Berücksichtigung des individuellen Krankheitsverlaufs und der Lebenssituation des Patienten sehr genau Risiko und Nutzen jeder Impfung abwägen. In der Regel überwiegen die Vorteile der Impfung.

    Impfempfehlungen und -hinweise für Patienten mit chronischen Nervenerkrankungen (multiple Sklerose (MS), Epilepsie, Zerebralparese)

    • Standardimpfungen: gemäß den allgemeinen Impfempfehlungen der STIKO; Impfungen mit Lebendimpfstoffen nur nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung
    • Indikationsimpfungen:
      • Grippe (Influenza); jährliche Impfung im Herbst gegen das saisonale Grippevirus
      • Pneumokokkenkrankheiten; für Kinder zwischen 2 und 15 Jahren sowie für alle MS-Patienten, die immunsuppressiv behandelt werden, wird die sequenzielle Impfung mit 2 verschiedenen Impfstofftypen in Folge (zunächst PCV13, dann nach 6 bis 12 Monaten PPSV23) empfohlen, für alle anderen Patienten eine einzelne Impfung (PPSV23); eine Wiederholungsimpfung (mit PPSV23) folgt dann für alle im Mindestabstand von 6 Jahren
    • Impfzeitpunkt: außerhalb eines akuten Schubes, bei MS außerhalb einer Therapie mit Immunsuppressiva; bei Kindern mit Zerebralparese, die mit ACTH oder Kortikosteroiden behandelt werden, sollte zwischen Therapie und Impfung ein Abstand von 3 Monaten eingehalten werden
  • Personen mit HIV-Infektion und Patienten mit AIDS

    Das humane Immundefizienz-Virus, kurz: HIV, greift bestimmte Immunzellen an und kann damit eine Immunschwäche auslösen. Ist das Immunsystem durch das Virus bereits so stark geschwächt, dass es kaum noch Krankheitserreger abwehren kann, spricht man vom Acquired Immune Deficiency Syndrome, besser bekannt unter der Abkürzung AIDS.

    Patienten mit einer HIV-Infektion sind besonders anfällig für Infektionen und haben aufgrund der erworbenen Immunschwäche häufig schwerwiegendere Krankheitsverläufe. Ein ausreichender Impfschutz ist daher für diese Patienten sehr wichtig. Alle Impfungen sollten im möglichst frühen Krankheitsstadium erfolgen. Zum einen steigt mit zunehmender Immunschwäche das Risiko von unerwünschten Impfreaktionen, zum anderen reagiert bei HIV-positiven Menschen das Immunsystem schwächer auf Impfungen, wodurch der Impferfolg beeinträchtigt sein kann.

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    Impfkontrolle bei Immunschwäche

    Der Erfolg der Impfung kann bei HIV-Patienten geringer ausfallen. Zur Kontrolle des Impferfolges kann einige Wochen nach der Impfung die Menge der Antikörper im Blut bestimmt werden.

    Patienten mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung haben ein hohes Risiko von Infektionen und schwerwiegenden Krankheitsverläufen. Dies betrifft besonders bakterielle Infektionen der Atemwege, z. B. die durch Pneumokokken ausgelöste Lungenentzündung. Hinzu kommt, dass Patienten üblicherweise mit Immunsuppressiva behandelt werden, um die Immunreaktion, die für die Entzündungen und Gewebezerstörungen verantwortlich ist, zu dämpfen. Dadurch steigt die Infektanfälligkeit zusätzlich. Impfungen gelten für diese Patienten daher als wichtige Vorsorgemaßnahme.

    Impfempfehlungen und -hinweise für Personen mit HIV-Infektion und Patienten mit AIDS

    • Standardimpfungen: gemäß den allgemeinen Impfempfehlungen der STIKO; Impfungen mit Lebendimpfstoffen nur nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung
    • Indikationsimpfungen:
      • Grippe (Influenza); jährliche Impfung im Herbst gegen das saisonale Grippevirus
      • Pneumokokkenkrankheiten; empfohlen wird eine sogenannte sequenzielle Impfung, d. h., die Personen erhalten 2 verschiedene Impfstofftypen in Folge (zunächst PCV13, dann nach 6 bis 12 Monaten PPSV23); eine Wiederholungsimpfung (mit PPSV23) folgt dann im Mindestabstand von 6 Jahren
      • Herpes zoster bei Patienten ab 50 Jahren (Totimpfstoff)
      • Hepatitis A für Personen, die weiteren Risikofaktoren ausgesetzt sind (homosexuelle Männer, Drogenkonsumierende, bei Erkrankungen mit Leberbeteiligung)
      • Meningokokken nach individueller Risikoabschätzung
    • Impfzeitpunkt: möglichst früh bei gutem Immunstatus
  • Patienten mit Krebserkrankungen

    Bei einer Krebserkrankung hängt die Abwehrfähigkeit des Immunsystems stark davon ab, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, welche Organe und Gewebe betroffen sind und welche Therapien aktuell durchgeführt werden. Jede Tumorbehandlung kann sich auf die Immunabwehr auswirken. Während einer Chemotherapie ist die Anfälligkeit gegenüber Krankheitserregern mitunter deutlich erhöht. Auch zielgerichtete Behandlungen wie die Bestrahlung des Tumors oder seine operative Entfernung führen je nach Umfang und Größe des Eingriffs zu einer vorübergehenden Schwächung des Immunsystems. Prinzipiell gelten die allgemeinen Empfehlungen für die Standardimpfungen, jedoch mit Einschränkungen hinsichtlich der Impfung mit Lebendimpfstoffen während einer Therapie.

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    Impfschutz nach Chemotherapie

    Ob der vor Beginn einer Chemotherapie erworbene Impfschutz erhalten bleibt, kann zurzeit noch nicht vorausgesagt werden. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass bei fast allen Kindern und Jugendlichen nach einer längeren Chemotherapie eine erneute Impfung notwendig ist.

    Impfempfehlungen und -hinweise für Patienten mit Krebserkrankungen

    • Standardimpfungen: gemäß den allgemeinen Impfempfehlungen der STIKO; während Chemotherapie oder Immunsuppression keine Impfungen mit Lebendimpfstoffen
    • Indikationsimpfungen:
      • Grippe (Influenza); jährliche Impfung im Herbst gegen das saisonale Grippevirus
      • Pneumokokkenkrankheiten; bei bestimmten Blutkrebsarten (Leukämie, M. Hodgkin) sowie therapiebedingter Abwehrschwäche; empfohlen wird eine sogenannte sequenzielle Impfung, d. h., die Personen erhalten 2 verschiedene Impfstofftypen in Folge (zunächst PCV13, dann nach 6 bis 12 Monaten PPSV23); eine Wiederholungsimpfung (mit PPSV23) folgt dann im Mindestabstand von 6 Jahren
      • Herpes zoster bei immunsupprimierten Patienten mit Krebserkrankungen ab 50 Jahren (Totimpfstoff)
    • Impfzeitpunkt: Impfungen mit Totimpfstoffen möglichst erst 3 Monate nach einer Chemotherapie; saisonale Grippeimpfung spätestens 2 Wochen vor Beginn einer geplanten Chemotherapie bzw., wenn die Blutwerte es zulassen, in einer Therapiepause
Weitere Indikationsimpfungen bei bestimmten Erkrankungen

Neben den aufgeführten chronischen Erkrankungen gibt es weitere seltenere Erkrankungen, für die spezielle und zum Teil detaillierte Impfempfehlungen ausgesprochen werden. Dazu zählen u. a. verschiedene angeborene und erworbene Immundefekte (z. B. Agammaglobulinämie, Hypogammaglobulinämie, chronische Granulomatose) sowie Funktionsstörungen der Milz (Hyposplenie).

Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an, ob Ihr Impfschutz bzw. der Impfschutz Ihres Kindes ausreichend ist.