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Das Prinzip der Impfung

Unser Immunsystem verfügt über verschiedene Strategien, um Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Pilze, die z. B. über unsere Atemwege oder Schleimhäute in unseren Körper eingedrungen sind, abzuwehren. Sobald die Eindringlinge als körperfremd erkannt werden, setzen verschiedene Immunzellen eine Reaktionskette in Gang, die zum Ziel hat, die Erreger unschädlich zu machen. Die Abwehrreaktion ist zum Teil angeboren und richtet sich ganz unspezifisch gegen jede Art von Eindringling. Daneben gibt es eine spezifische, dem jeweiligen Erreger angepasste Immunreaktion. Die spezifische Immunreaktion hat das Immunsystem nach und nach durch die Konfrontation mit verschiedenen Erregern erlernt. Diese Lernfähigkeit und das immunologische Gedächtnis macht man sich bei einer Impfung zunutze. Der folgende kurze Exkurs in die Immunologie und die Grafik unten erklären die Grundzüge der spezifischen Immunreaktion und damit auch das Prinzip der Impfung. Die entscheidende Rolle spielen dabei bestimmte weiße Blutkörperchen, die B-Zellen und die T-Zellen sowie die Fresszellen.

Immunabwehr kl2

Zunächst sind es Fresszellen, die die Eindringlinge erkennen, aufnehmen, zerkleinern und Bruchstücke davon (Antigene) auf ihrer Zelloberfläche den B- und T-Zellen präsentieren. Die B-Zellen produzieren daraufhin ganz spezielle Abwehrstoffe, die sogenannten spezifischen Antikörper, die nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip genau zur Struktur des präsentierten Antigens passen. Die freigesetzten Antikörper heften sich an passende Antigene und machen sie dadurch unschädlich bzw. es entsteht ein Antigen-Antikörper-Komplex, der von Fresszellen aufgenommen und abgebaut wird. Gleichzeitig werden unterschiedliche Typen T-Zellen aktiviert. Einige von ihnen (T-Killerzellen) können infizierte Zellen direkt zerstören. Andere (T-Helferzellen) können durch Freisetzung verschiedener Botenstoffe Fresszellen aktivieren, B-Zellen zur Bildung von Antikörpern anregen und eine Entzündung auslösen.

prinzip-der-impfung1© Tatyana - stock.adobe.com

 Erworbene Immunität

Wer als Kind Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken durchgemacht hat, ist anschließend geschützt und kann die Erkrankung nicht übertragen. Mit einem Bluttest lässt sich nachweisen, ob der Körper ausreichend Antikörper gegen die Erreger gebildet hat.

Nach der spezifischen Immunreaktion – und das ist für das Prinzip der Impfung entscheidend – bleiben Gedächtniszellen zurück, die die spezifischen Merkmale des Krankheitserregers abspeichern. Kommt es irgendwann zu einem erneuten Kontakt mit diesem Erreger, ist das Immunsystem bestens vorbereitet. Es kann sofort die passenden Antikörper bilden, die Immunreaktion starten und die Infektion abwehren. Man sagt, der Körper hat eine Immunität gegen den Erreger aufgebaut.

 Aktive Immunisierung

Um das Immunsystem dazu anzuregen, aktiv Antikörper gegen einen bestimmten Erreger zu bilden, führt man ihm bei der Impfung gezielt eine unschädliche Menge des abgetöteten oder abgeschwächten Erregers zu. Der Impfstoff löst keine ernsthafte Erkrankung aus, sorgt aber für eine Immunreaktion, so dass spezifische Antikörper und Gedächtniszellen produziert werden. Bis der Infektionsschutz aufgebaut ist, dauert es mehrere Tage. Bei manchen Erkrankungen sind auch mehrere Teilimpfungen notwendig. Wie lange der Impfschutz anschließend Bestand hat, hängt vom Erregertyp ab. Bei einigen Impfungen sind die Antikörper noch Jahre später oder sogar ein Leben lang nachweisbar und wirksam, andere Impfungen müssen in regelmäßigen Abständen aufgefrischt werden.

 Passive Immunisierung

Bei manchen Erkrankungen und in einigen Situationen kann eine passive Impfung sinnvoll sein. Dabei muss das Immunsystem nicht selbst Antikörper bilden, sondern die Antikörper sind im Impfstoff enthalten. Sie stammen von geimpften Menschen oder Tieren bzw. können gentechnisch hergestellt sein. Die passive Impfung hat den Vorteil, dass der Schutz sofort einsetzt. Dies kann z. B. wichtig sein, wenn jemand bereits mit dem Krankheitserreger in Kontakt gekommen ist und ein Ausbruch der Erkrankung verhindert werden soll. Allerdings bleibt bei einer passiven Impfung der Impfschutz nur begrenzte Zeit bestehen.